Bericht Zeitschrift "feg.ch" 2015:

Sola Pradella 2015 – Chill dä läbä?

Plötzlich interessierte sich die ganze Schweiz fürs Sommerlager in Pradella. „140 Menschen in Scuol GR evakuiert: Gewitter spült Ferienlager weg“ titelte etwa Blick. Etwas sachlicher SRF: „Zwei Ferienlager wegen Erdrutsch evakuiert“. Was war geschehen?

Bereits zum 16. Mal in Folge verbrachte ich die Wochen 29–30 in Pradella (Scuol GR). Zunächst als Teilnehmer, seit zwölf Jahren als Leiter. Noch nie war etwas Medienwirksames geschehen, noch nie mussten wir das Lager abbrechen. Ganz anders in diesem Jahr. Am 22. Juli um 21:15 Uhr überraschte uns eine Schlammlawine. Ein- und Ausgänge waren sofort versperrt. Da das neu renovierte Haus seit 2010 über eine Galerie mit zusätzlichen Zimmern verfügt, konnten wir die gut 90 Personen (66 Teilnehmer, 23 Leiter und einige Küchenmitarbeiter) rasch in Sicherheit bringen. Schnell war klar, dass niemand fehlte. Sofort wurden kleinere Gebetsgruppen gebildet, anschliessend wurde laut gesungen. Uns allen war bewusst: Wir haben grosse Bewahrung erlebt.

Dabei hätte das Thema („Chill dä läbä?“) nicht treffender sein können. Benjamin Maron, Hauptleiter und Pastor der FEG Altstätten, sprach in seiner Einstiegsandacht über Hiob. Hiob hatte alles. Er konnte sein Leben geniessen. Seine Kinder feierten Partys. Sie alle brauchten sich keine Sorgen zu machen. Doch innert kürzester Zeit wurde ihm alles genommen. Weil Hiob seinen Halt in Gott hatte, konnte er sprechen: „Der HERR hat's gegeben, der HERR hat's genommen; der Name des HERRN sei gelobt!“ So fragte Beni die anwesenden Lagerteilnehmer und -leiter: „Wer oder was ist der Halt in deinem Leben?“

Neben vielen chilligen Aktivitäten (z.B. Minigolf, Seilpark, Badi), Sport und guter Gemeinschaft gab es auch dieses Jahr wieder einiges an Tiefgang. In den morgendlichen Stillen Zeiten beschäftigen wir uns mit Samuel, am Abend wurde das Tagesthema in einer Andacht vertieft. Traditionsgemäss durfte ich in der Mitte des Lagers am Samstagabend auf Plan Grond alle Lagerteilnehmer zu einem kompromisslosen Leben mit Jesus auffordern. Ein solches Leben ist zwar nicht unbedingt „chilliger“, aber es hat Auswirkungen für die Ewigkeit. Einmal mehr begannen oder bereinigten viele Teenager ihre persönliche Beziehung mit Jesus Christus. In der zweiten Woche standen dann glaubensvertiefende Themen auf dem Programm: Nachfolge, Gemeinde, Berufung.

Direkt im Anschluss an den Berufungsabend mit der Aufforderung „Verschwende nicht dein Leben!“, überraschte uns die Schlammlawine. Die Feuerwehr evakuierte uns und wir verbrachten die folgende Nacht in der Zivilschutzanlage.

Als wir uns am 23. Juli, einen Tag früher als geplant, von den Teilnehmern verabschieden mussten, knüpfte Beni an seiner Einstiegsandacht an: „Gestern Abend haben wir erlebt, dass der Halt Jesus im Leben wirklich trägt.“ Er gab einem jeden Teilnehmer einen Karabiner nach Hause, der ihn auch in der kommenden Zeit daran erinnern soll, dass im Leben nicht immer alles „chillig“ ist, wir mit Jesus Christus aber alles haben, was wir brauchen.

Matthias Kradolfer, August 2015

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